BESTECHUNGS-AFFÄRE: Gladiotoren Im Netz

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Bonns Staatsanwälte sahen Licht. Regierungsdirektor a. D. Karl Evers, Zentralfigur des bislang größten Bestechungsskandals der Bundeswehr (SPIEGEL 23/66), sagte ihnen das Schlüsselwort: Sperry.youtube.com Die amerikanische Sperry Gyroscope Company, bevorzugter Kreisel-Lieferant der deutschen Luftwaffe, habe ihm - gestand Evers - "Verbesserungsvorschläge bei Luftfahrtgeräten" honoriert; das Geld liege auf seiner Bank in Zürich. Die Gründe, die Evers für seine Nebenbezüge anführte, verfingen nicht. Denn dem früheren Referenten für die "Bordausrüstung" (aller Bundeswehrmaschinen) in der Abteilung Technik des Bundesverteidigungsministeriums oblag es von Amts wegen, "Verbesserungsvorschläge" zu machen, und zwar seinem Dienstherrn. Aber der Name Sperry half den Bonner Staatsanwälten weiter. Vergebens hatten sie die Zürcher Bank des Evers um einen Auszug aus dessen Konto gebeten.


Die Eidgenossen sperrten sich, obschon sich Evers sein Einverständnis mit der Konto-Inspektion hatte abringen lassen. Erst mit dem Stichwort Sperry erreichte die Bonner Staatsanwaltschaft per Rechtshilfe-Ersuchen die magere Auskunft: Eine amerikanische Firma habe 20 000 Dollar auf das Evers-Konto in Zürich eingezahlt. Französische Industrie-Konkurrenz wußte -schon im Frühsommer 1964 besser Bescheid. Im Nato-Fachausschuß für die nordatlantische Gemeinschaftsentwicklung "Breguet 1150 - Atlantic", einen Seeaufklärer und U-Boot-Jäger der Marineflieger, klagten die Franzosen damals, bei den Bonner Wehrbeschaffern müsse die Flugindustrie mit Schmiergeldern nachhelfen. Der Nato-Ausschuß hörte Einzelheiten über das Zürcher Evers-Guthaben: Das Konto, Ende 1960 eröffnet, wies bereits im Frühsommer 1964 ein Habensaldo von 250 000 Schweizer Franken (rund 225 000 Mark) aus. Der Ausschußvorsitzende Rene Bloch, Kommodore der französischen Marinefliegerei, reiste alsbald in Bad Godesberg an, um den Ministerialrat Karl -Helmut Schnell, Ermittler des Bundesverteidigungsministeriums "in Sonderfällen", in das Bankgeheimnis des Evers einzuweihen.


Schnell nahm die Ermittlungen gegen Evers auf. Die Spur aus Paris verwehte. Aber Evers blieb in Verdacht und unter Aufsicht. Erst seine letzte Dienstreise - offiziell nach Turin, privat nach Zürich - offenbarte den Ermittlern Anfang dieses Jahres endlich die Existenz des Schweizer Bankkontos. Evers gab bisher - 100 000 Mark zu. Der Abstecher nach Zürich verhalf Schnell zu einer zweiten Entdeckung: Mit Evers reiste ein Stabsoffizier aus dem Luftwaffen-Führungsstab, der Major Martin Pietrzak. Zunächst Blindfluglehrer, war Pietrzak als Oberleutnant in das Führungsstab-Referat "Flugmeldetechnik" gekommen, wo sich der junge Elektroniker bei der Planung für die deutschfranzösische Transportmaschine "Transall C-160" bewährte. Vor gut einem Jahr wechselte er in das Referat "Militärische Forderungen an das Material".


Sein Vorgänger auf diesem Posten, Hauptmann Walter Huber, hatte den Dienst quittiert und sich als Lobbyist bei Sperry verdingt. Mittlerweile hat Pietrzak-Vorgänger Huber das Lobbyisten-Handwerk erlernt. Zum letzten Weihnachtsfest beschenkte er die früheren Amtskollegen mit Remington-Elektrorasierern, einem Sperry-Produkt. Der Name Pietrzak stand oft auf den Reiseanträgen von Evers. Mit der Zeit avancierte er zum ständigen Evers-Begleiter. Auch ihn trifft der Verdacht, Geld bekommen zu haben. Als Chef des Huber-Pietrzak-Referats amtierte jahrelang Oberst Albert Werner. Die Konferenzen der Mitarbeiter, bei denen über solche Änderungsvorschläge beraten wurde, hießen auf der Bonner Hardthöhe schlicht "Karl (Evers) -Albert (Werner)-Gespräche". Der Industrie, nach Vergabe der "Starfighter"- und "Fiat G-91"-Aufträge um späte Teilhaberschaft am großen Geschäft und Anschlußorders verlegen, gefiel, die Neuerungssucht von Karl und Albert. Alte Freundschaften lebten dabei wieder auf. Die meisten stammten schon aus der Zeit der großdeutschen Luftwaffe.


Görings Flieger-Hauptingenieur Evers war damals gern gesehener Gast im Hause der Askania-Werke AG, die die Flugzeug-Instrumente baute. Die Askania-Ingenieure respektierten die Schwächen ihres Auftraggebers und besorgten ihm feuchtfröhliche Feste mit Damen. Askania vertrat in Hitlers Reich eben jenen US-Konzern Sperry, der später, im Bonner Bundesstaat, Karl Evers finanzierte. Sperry kam bei der Bundesluftwaffe wieder gut ins Rüstungsgeschäft.youtube.com Die Firma verkaufte ihren Kurskreisel "C 2-G" (Stückpreis: 2900 Dollar) für den "Starfighter". Auch in den 406 Bell-Hubschraubern (Typ "205-FRG"), die Bonn bestellt hat, soll Sperrys "C2-G"-Kompaß montiert werden. Mit einem anderen Sperry-Gerät gerieten die Piloten - in Navigations-Schwierigkeiten. Grund: Der Sperry -Richtungskreisel "CL-11" im leichten Jagdbomber "Fiat G-91" wich in seiner Richtungsanzeige grob ab. Der mangelhafte Sperry-Kreisel sollte gegen das Gerät "AJ3N" der amerikanischen Firma Bendix ausgewechselt werden.


Aber Bendix, so hieß es plötzlich im Bundesverteidigungsministerium, könne dieses Instrument nicht mehr liefern. Man entschloß sich, den beanstandeten Sperry-Kreisel "CL-11" durch die Sperry-Kreiselplattform "SYP-820" zu ersetzen. Ein Jahr lang lag der Beschaffungsauftrag wegen neuer Sperry-Mängel fest. Alsdann ging die Order nach nur zwölf Stunden Flugerprobung des Geräts in der Rekordzeit von acht Tagen über das Bundeswehr-Beschaffungsamt Koblenz hinaus. Sperry verkaufte 250 Kreiselplattformen zum Stückpreis von 98 000 Mark für die "Fiat G-91". Major Martin Pietrzak drängte darauf, daß auch seine "Transall" mit dem Sperry-Gerät (150 Stück) ausgestattet wird. Für den Transporter "Transall" und den U-Boot-Jäger "Atlantic" schließlich war der Autopilot des britischen Herstellers Smiths Industries Limited eingeplant. Aber der US-Konzern Sperry (Autopilot "SP-40") stach auch die Briten aus. Am Tage der Auftragsvergabe zugunsten von Sperry (im Sommer 1964) sah man im Bonner Verteidigungsministerium zwei Besucher aus Bayern, beide eifrige Sperry-Protagonisten: Peter Ehrhardt und Rudolf Höfling.


Ehrhardt, nach eigenen Angaben "Beratender Ingenieur", fungierte seit 1961 als Sperry-Lobbyist in München, dem Sitz der Sperry-Kreiseltechnik GmbH. Während Ministerialrat Schnell im Sommer des vergangenen Jahres nach den Geldgebern des Sperry-Freundes Evers fahndete, zog sich Ehrhardt auf sein Weingut am Gardasee zurück. Sein englischer Stellvertreter Colin Richardson siedelte zur gleichen Zeit nach London um. Ehrhardts Mitstreiter für Sperrys Interessen, Rudolf Höfling, dirigiert die Apparatebau Gauting GmbH, bis 1955 Tochtergesellschaft der Askania-Werke, seither selbständig. Diese Gesellschaft besitzt zu 50 Prozent die Luftfahrtgerätevertrieb Gauting GmbH, deren andere Hälfte von der französischen Firma Air Equipement, einer Lizenzfiliale der amerikanischen Sperry -Werke, gehalten wird. Der Apparatebau Höflings florierte mit dem Sperry-Geschäft. Gauting bekam ein Drittel des Auftrages für den Autopiloten "SP-40", einen Unterauftrag für die Kreiselplattform "SYP - 820" und fertigt nun auch noch den "C2-G"-Kurskreisel von Sperry.


Die Apparatebau Gauting GmbH gehört zu zehn Prozent ihrem Direktor Rudolf Höfling, zu 90 Prozent dem bayrischen CSU-Justizminister a. D. Josef ("Ochsensepp") Müller und dessen Tochter Christine-Marianne. Bevor noch sein Züricher Bankkonto aufflog, bat Karl Evers den Direktor von Gauting um einen Beratervertrag für die Zeit nach seiner Pensionierung. Höfling lehnte höflich ab. Nachdem Karl Hauptmann Gemälde kaufen Evers dringend tatverdächtig geworden war, bat er den Eigentümer von Gauting um Rechtsbeistand. Müller lehnte höflich ab. Pensionär Evers hielt am 23. April dieses Jahres ein Telegramm seines Abteilungsleiters, des Ministerialdirektors Wahl, in Händen, er möge sich am 26. April im Verteidigungsministerium melden. Flugs rief er aus dem niederbayrischen Grafenau seinen früheren Assistenten Helmut Seufert im Ministerium an. Das Haus hörte mit. Seufert, im Evers-Bunde der dritte, zappelte im Netz. Inzwischen ist Helmut Seufert, Theaterwissenschaftler ohne Examen",in beiderseitigem Einvernehmen" aus Verteidigungsdiensten ausgeschieden und kann sich nun ganz seinem Hobby zuwenden, der Malerei. Noch als er im Amt war, porträtierte er Bonner Rüstungs-Lobbyisten. Seine Modelle kauften die Bilder und zahlten gut. Auch die Beamten der Unterabteilung "Luftfahrttechnik" bannte Seufert auf die Leinwand. Ahnungsvoll symbolisierte er ihr Berufsschicksal: Sie tragen die Gewänder römischer Gladiatoren.


Das Licht der Lagune, die Tauben, die "Toteninsel", überraschenderweise aber auch Festgottesdienste in San Marco faszinierten den Denker, der dem Christentum den Kampf angesagt hatte, ungeachtet aller Krisenstimmungen. 1888 erwog er ernsthaft, gegen die chronische Venedig-Sehnsucht eine "Kur" anzutreten - ausgerechnet in den "Venediger Alpen"! Nietzsche teilte seine Venedig-Leidenschaft mit dem verehrten wie gehassten Wagner, dessen angebliche musikalische Dekadenz er so scharf verurteilte. Immer wieder hatte der große Komponist am Rialto Entspannung, aber auch Anregungen gesucht. 1858, bei seinem ersten Besuch, war er auch aus der Ehe mit seiner damaligen Frau Minna geflohen. Er nahm Quartier in einem prächtigen Renaissance-Palazzo am Canal Grande, der als einer von wenigen sogar über eine moderne Heizungsanlage verfügte. Die Räume ließ sich der anspruchsvolle Gast nach seinem Geschmack herrichten.


Wagner habe, berichtete der Polizeirat Crespi seiner Behörde, "da die Farbe seines Schlafzimmers ihn unangenehm berührte", den Besitzer gebeten, "eine seiner Stimmung mehr zusagende Schattierung von rot als Dekorierung" wählen zu dürfen. In Venedig vollendete Wagner den zweiten Akt des "Tristan", und hier starb er auch im Februar 1883. Im legendären Teatro La Fenice hatte er zuvor sein letztes Konzert dirigiert. Es kann nicht verwundern, dass die Venedig-Sehnsucht der Deutschen im 20. Jahrhundert anhielt. Seit dem 20.youtube.com Jahrhundert verbindet man vor allem Thomas Mann mit der Lagunenstadt, dessen Meisternovelle "Der Tod in Venedig" (1912) in die Weltliteratur einging. Tatsächlich sah der Autor in der Lagune sein zweites "Zuhause", "entrückt, die Spitzbögen maurisch verzaubert". Katia Mann in ihren "Ungeschriebenen Memoiren" fest.


Nicht von Platen, Strachwitz oder Heyse, nicht von Anselm Feuerbach, der hier 1880 unter tragischen Umständen starb, leiten die Deutschen heute die Assoziation von Tod, Schönheit und Venedig ab, sondern vom Schicksal Gustav Aschenbachs, der Hauptfigur in Manns Novelle. Im Hotel Des Bains auf dem Lido, wo die Novelle spielt und später auch von Luchino Visconti verfilmt wurde, verbrachte die Familie Mann mehrfach ihre Ferien. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich dort ein mondäner Kurbetrieb etabliert. Längst suchten wohlhabende Touristen in der Lagune nicht nur Kunstgenuss, sondern auch Sommerfrische und Badevergnügen. Der Lido mit exklusiven Hotels und Bars wurde zum Vorbild des internationalen Strandtourismus.youtube.com Im Liegestuhl am Lido von Venedig stirbt Manns morbider Held Gustav Aschenbach, den Blick auf den vergötterten Jungen Tadzio gerichtet - und das offene Meer.

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